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Arnstadt – Ein kunsthistorischer Wandel durch die Zeit

Die heutige Kreisstadt Arnstadt ist auf Grund ihrer vielfältigen Freizeitangebote und freizeitlichen Gestaltungsmöglichkeiten stets einen Besuch wert. Nicht nur wegen der herausragenden Historie, welche sich um diese Stadt rankt, sondern auch wegen ihrer harmonischen Lage im Thüringer Becken, dem Tor zum Thüringer Wald.

Historisch wie kunsthistorisch braucht sich diese Stadt nicht zu verstecken und kann in dieser Hinsicht locker mit der Kulturstadt Weimar mithalten. Man könnte es auch liebevoll das kleine Weimar nennen.

Durch die urkundliche Ersterwähnung des Ortes anno 704 n.Chr. konnte Arnstadt im Jahre „2004 auf 1300 Jahre Stadtgeschichte“ zurückblicken. Architektonische Hinterlassenschaften aus den Epochen des Mittelalter (romanische und gotische Architektur), der Neuzeit (Barock- und Renaissancearchitektur) und der Moderne (Bauhaus, dessen frühestes Zeugnis den Milchhof in Arnstadt datiert) lassen den/die Besucher durch die Zeit wandern und diese erleben.

Als ältestem Ort Thüringens sowie der neuen Bundesländer – Stadtrecht erhielt dieser im Jahr 1266 –  obliegen ihm variierende Bezeichnungen, so bspw. als ‚Stadt der Linden‘, ‚Stadt der Brunnnen‘, ‚Bachstadt‘ oder eben als ‚Tor zum Thüringer Wald‘. Allein die Vielfallt der differenten Stadtbezeichnungen hebt den Charakter des Ortes explizit hervor wie auch  erhaltene Teile der Stadtmauer sowie das Fischertor am Wollmarkt und das Riedtor die Erhebung des Ortes zur Stadt bekräftigen. Selbst im  Neolithikum, der Jungsteinzeit, galt die Umgebung der heutigen Kreis- und Bachstadt als besonders ansiedlungsfreundlich, was verschiedene Funde archäologischer Ausgrabungen verifizieren.

Im beginnenden 13. Jh. siedelten sich Konvente bedeutender Mönchsorden -wie etwa der Benediktiner, der Franziskaner oder der Zisterzienser- in Arnstadt und Umgebung  an. Deren sakralen Baudenkmäler bezeugen noch heute den historisch- religiösen und mittelalterlichen Charakter der Stadt. Sehenswert daher die Oberkirche des ehem. Franziskanerklosters in Stadtmitte sowie die Liebfrauenkirche im westlich gelegeneren Teil der Stadt. In der näheren Umgebung Arnstadts sollte man sich auf jeden Fall den Ruinen des ehem. Walpurgisklosters der Benediktinerinnen (Walpernberg) widmen sowie den Resten der einzigen Klosteranlage des Ordens der Zisterzienser in Thüringen, im OT Ichtershausen.

Die Reformation hielt 1531 in Arnstadt Einzug und hatte die Säkularisierung der Klosteranlagen des Ordens der Franziskaner und der Zisterzienser sowie die Anlage des Jungfrauenklosters der Benediktinerinnen zur Folge.

Graf Günther XLI. von Schwarzburg lies von 1553 – 1560 das Wasserschloss Neideck erbauen. Auf den Grundmauern der Hersfelder Burg und im manieristischen Stil italienischer Renaissance entstand ein Schloss, welches Arnstadt zur Residenzstadt der Grafen von Schwarzburg- Sondershausen erhob. Mit dem Tod des Fürsten Anton Günther II. 1716 wurde der herrschaftliche Sitz nach Sondershausen verlegt. Der fortwährende Leerstand des verlassenen Schlosses führte zum Einsturz dieses und dem Zerfall der Anlage.

1583 errichtete man einen dreiflügeligen Gebäudekomplex neben der Liebfrauenkirche als den Witwensitz für die Gräfin Katharina von Nassau. Einen barocken Umbau erhielt dieser Komplex  in der Zeit von 1721 – 1725, da dieser fortan als Niederlassung des Prinzen Wilhelm von Schwarzburg- Sondershausen diente. Seither war dieser Gebäudetrakt als Prinzenhof bekannt.

1729 – 1735 wurde das Neue Palais als Witwenpalais für die Fürstin Elisabeth Albertine von Schwarzburg- Sondershausen erbaut. Die berühmte Dauerausstellung des heutigen Stadtmuseums, die Puppenstadt Mon Plaisir, bietet dem Besucher einen interessanten Einblick in zeitgenössisches- höfisches Leben zu Zeiten des Barock.

Die ‚Beaux Arts – Die schönen Künste‘, allen voran Musik, Malerei und Literatur, erfuhren in dieser Zeit besondere Aufmerksamkeit. Wie der seitdem bekannte Prinzenhof erhielten viele Kirchen und Gebäude eine Umgestaltung im barocken Stil. So stellte man im Inneren der Oberkirche zu Arnstadt den Hochaltar des damaligen Hofkünstlers Burchard Röhls auf.

Auf den Fundamenten der ehem. Bonifatiuskirche am Markt, die während des großen Stadtbrandes von 1581 niederbrannte, wurde die Neue Kirche von 1676 – 1683 errichtet. Der junge Johann Sebastian Bach hatte von 1703 – 1707 seine erste Einstellung als Organist in dieser Kirche. Sein Cousin Johann Ernst Bach folgte ihm in dieser Stellung und war von 1707 – 1728 ebenfalls als Organist in jener Kirche tätig. 1935 erfolgte die Umbenennung von der Neuen Kirche zur Bachkirche.

Ebenfalls im barocken Baustil wurde von 1738 – 1743 die heutige Christi Himmelfahrtskirche erbaut. In der herausragenden und vereinzelten Form eines Oktagons diente sie bis Ende des 19. Jh. als Begräbniskirche des Alten Arnstädter Friedhofs. Die enge Verbundenheit der Familie Bach mit dieser Stadt bezeugen nicht zuletzt die 25 bestatteten Familienmitglieder der Familie auf dem ältesten Friedhof des ältesten Ortes Thüringens.

Neben dem musikalisch-begabten, jungen Johann Sebastian Bach und dessen Familie waren auch von Zeit zu Zeit diverse andere berühmte Persönlichkeiten in Arnstadt zugegen, die dem Umfeld der Literatur zuzuordnen sind. Zu diesen zählen u. a. die in Arnstadt geborene und unter dem Pseudonym ‚Marlitt‘ bekannte Schriftstellerin Friederike Henriette Christiane Eugenie John, der aus Weimar stammende Schriftsteller Ludwig Bechstein sowie der in Breslau geborene Dichter und Schriftsteller Willibald Alexis.

Durch die Reichsgründung 1871 wurde das damalige „Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen zu einem Bundesstaat des deutschen Kaiserreiches“. Das historische Ereignis

Im November 1918 verzichtete Günther Victor, Fürst  von Schwarzburg, auf den Thron, weshalb Arnstadt fortan dem Freistaat Schwarzburg – Sondershausen zuzurechnen war. 1920 wurde dann der Freistaat Thüringen gegründet und Arnstadt galt als ältester Ort dieser Region. Jedoch verloren Ort und Region mit zunehmendem Zerfall der Fürstentümer an Bedeutung, wie es vielerorts geschah.

Ein außerordentliches, heute jedoch stark zerfallenes, Kulturdenkmal der Stadt wurde 1928 von dem Architekten Martin Schwarz nach Plänen des Weimarer Bauhausstils errichtet. Bei diesem Denkmal handelt es sich um den Alten Milchhof in Arnstadt, der als einer der frühesten Architekturen dieser Stilrichtung gilt. Durch die Einzigartigkeit seiner Zuordnung gewinnt auch die Stadt an Bedeutung – schade nur, dass sich keiner in der Verantwortung einer Erhaltung dieses wichtigen Kulturdenkmals sieht.

Das dunkle Zeitalter deutscher Geschichte, der Nationalsozialismus, machte auch vor Arnstadt nicht halt. In der Reichspogromnacht vom 09. zum 10. November 1938 wurde auch die Arnstädter Synagoge –ebenfalls von dem freischaffenden Architekten Martin Schwarz erbaut- in der Krappgartenstraße von Nationalsozialisten zerstört. In dieser Nacht wurden zudem 30 männliche Männer jüdischen Glaubens in das KZ Buchenwald deportiert.

Ein Außenlager des KZ Buchenwald bei Weimar, ‚S III‘, wurde in der Nähe Arnstadt errichtet, welches sich durch die Baumaßnahmen in dem Geländeabschnitt der Ohrdrufer Platte –dem Jonastal- bedingte. Es bestand vom 06.November 1944 bis Anfang April 1945 und wurde sogar vom 14.11.1944 bis 15.01.1945 als eigenständiges KZ geführt –galt demnach nicht als Außenlager.

Dieser kurze Abriss von Sehenswürdigkeiten in und um Arnstadt, die es einem ermöglichen eine Reise durch die Zeit zu erleben, sollen Ihnen einen kleinen Anreiz geben sich unsere Stadt durch einen längeren Aufenthalt einzuverleiben. Eine komfortable und durchaus luxuriöse Unterkunft bieten Ihnen die zwei Ferienwohnungen der Familie Munsche in der Burggasse am Schlossberg, im OT Angelhausen/ Oberndorf.

Beginnen Sie Ihre Zeitreise mit der Übernachtung in einer der beiden sehr modern sowie hochwertig-ausgestatteten ‚Ferienwohnung Am Schlossberg‘ in unmittelbarer Nähe eines der ältesten, erhaltenen Bauwerke im ältesten Ort Thüringens.

Viele Wanderwege schließen bereits hier an. Fahrradausleihe möglich. Hunde und/oder Kinder erwünscht. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine Reitanlage, das ‚Gestüt Käfernburg‘. Die Anbindung mit dem Bus in die historische Altstadt ist innerhalb von 5min. zu Fuß erreichbar.

Autor: Franziska Heer // Kunsthistorikerin