St. Nikolai Kirche im Ortsteil Angelhausen-Oberndorf

Beginnen wir, wie es sich für die älteste Ortschaft gebührt, mit deren ältestem Bauwerk, der St. Nikolai Kirche im Ortsteil Oberndorf. Diese zählt zu den ältesten und am besten erhaltenen Kirchbauten aus der Zeit der Hochromanik (1024 – 1260) in der Region. Der Schutzpatron der Kirche ist der Heilige Nikolaus von Myra, weshalb die Kirche diesem zu Ehren geweiht wurde und dessen Namen trägt.

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EXKURS: Im Alter von 19Jahren wurde Nikolaus von Myra zum Priester geweiht und als ebensolcher im Tempel von Sion, nahe seiner Heimatstadt Patara, dienstbar gemacht. Seine Eltern verstarben an der Pest, dem Schwarzen Tod. Er erbte deren Vermögen, welches er an die Armen verteilte. Aus diesem und mehreren Gründen galt er als der Spender guter Gaben sowie „Freund der Kinder“. Eine ältere Verfassung derselben Legende jedoch berichtete davon, dass Nikolaus seinen Eltern dies Vermögen stahl und an die Armen verteilte – was eine Anlehnung an die Gründung des Franziskaner_Ordens offenbart.

Die Kirche St. Nikolai zu Oberndorf durchlief mehrere Bauphasen, von denen die erste um 1100 mit dem Neubau begann. Dabei handelte es sich zunächst um einen tonnengewölbte Dorfkirche mit einem Vierungsturm sowie einer rundgewölbten Apsis als Abschluss. Um 1200 erfolgte auf Wunsch des Kevernburger Herrschaftsgeschlechts der Umbau zu einer dreischiffigen Basilika mit geradem Chorabschluss und Quinthaus, welche Stuckornamentische Verzierungen aufgewiesen haben. Im Jahre 1595 wurde, auf Grund der starken Baufälligkeit der Kirche, die Seiten- und Querschiffe abgetragen -zugunsten des Baus von Schloss Neideck- und die Arkaden sowie die seitlichen Chorbögen zugemauert. Ein Tympanon, datiert in diese Zeitspanne, wurde während dieser letzten Bauphase in die Langhausarkaden eingemauert. 1596 erfolgte die Wiedereinweihung. Die letzte Bauaktivität entsprach somit einem Rückbau, welche heute noch sichtbare Formen der ersten und zweiten Bauphase in sich vereint – eine einschiffige, satteldachgedeckte Dorfkirche mit geradem Chorabschluss sowie dem Vierungsturm. Typisch romanisch dabei sind die klaren Formen der Architektur ohne aufwendige Verzierungen; die Rundbogenfriese unterhalb des Daches am Chorabschluss, die sich aus den Lisenen bilden; die Rundbogenfenster sowiedie Pilaster (Halbsäulen). Typsich gotische Bauelemente (Gotik: 1130-1500) sind zum einen die heute noch sichtbaren aber zugemauerten Arkadenbögen aus der zweiten Bauphase sowie das Achtpassfenster, welches einem gotischen Bauornamentmit Dreiviertelkreisen – je nach Anzahl der Kreisbogen als Dreipass-, Vierpass- oder eben Achtpassfenster – entspricht. Die malerischen und architektonischen Besonderheiten sind zum einen die schmalen Bleiglasfenster aus dem 12Jh. (vor einem ornamentierten Hintergrund ist der Schutzpatron der Kirche, der Hl. Nikolaus im Bischhofsgewand, zu vernehmen – weitere Attribute sind die Goldsäcke, die Schriftrolle und das Buch) und zum anderen die beiden Gewölbebögen mit Stuckornamentik im Altarraum. Diese befinden sich als Ausläufer über den dorischen Säulen. Dabei lassen die spitzen Kerben sowie die stark ausladenden Kämpfer auf eine Holzbearbeitung vermuten. Ebenso wurden die Zierfriese in herausragender Holzfassung geschnitzt.

Käfernburg in Angelhausen

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Model der ehm. Käfernburg

200m oberhalb der St. Nikolai Kirche zu Oberndorf befindet sich das Bodendenkmal der ehem. Käfernburg, dem Stammsitz des kevernburger Adelsgeschlechts, welches 1385 wegen mangelnder männlicher Nachkommen ausstarb. Die Grafschaft Kevernburg entsprach einem Hoheitsgebiet, welches im heutigen Mittelthüringen anzufinden wäre und der Umgebung Arnstadt/ Ilmenau und Ilm-Kreis entspräche. Einzig die heute noch erhaltenen Ruinen jenes Stammsitzes der Grafen von Kevernburg fungieren dabei als archäologisches Zeugnis. Urkunden vom 08.November aus dem Jahr 1141 belegten dokumentarisch die Erwähnung der Burg als Hauptsitz des Grafengeschlechts von Kevernburg durch Sizzo III., Graf von Kevernburg – er gilt als Stammvater der Adelslinie der Kevernburg- Schwarzburger Herren. Die Burg wurde jedoch wahrscheinlich bereits um die Jahrtausendwende 1199/1200 als Befestigungs- und Schutzanlage, für den damaligen der „alten Handels- und Heeresweg, der durch den Ohragrund über den Oberhofer Pass führte.“[1], errichtet. Danach avancierte sie in ihrer Hochphase zum Stammsitz der Grafen und diente somit als Regierungssitz der Grafschaft Kevernburg. Als die Blutlinie der Kevernburger 1385 ausstarb, wurden die Ländereien jener Grafschaft am 29. Mai 1387 an Balthasar, Landgraf von Thüringen, durch die Gräfin Sophia von Schwarzburg (Mutter) und die Witwe Graf Günthers IX. von Kevernburg –Mechthilde-, veräußert. Dieser wiederrum übergab die Burg und das dazugehörige Hoheitsgebiet am 13. Juli 1394 an seinen jüngeren Bruder, namens Wilhelm zur Verwaltung. Mit dem Aussterben der letzten Landgrafen von Thüringen, etwa um 1446, ging der Grundbesitz des ehem. kevernburger Hochadels über an die Herrschaften des Schwarzburger Hauses, welche vielerorts große Teile der Ländereien als Ämter und Fürstentümer weiterführten, bis 1920 schließlich die Initialisierung Thüringens erfolgte.

Die historisch bedeutsame Umgebung um die Kirche St. Nikolai sowie des Bodendenkmals der ehem. Käfernburg, in deren unmittelbarer Nähe sich auch die Ferienwohnungen der Familie Munsche am Schlossbergweg befinden, bietet ideale Ausflugsmöglichkeiten für die ganze Familie. Sie können die Natur am Tor zum Thüringer Wald dabei zu Fuß (mit oder ohne Hund), mit dem Fahrrad (Fahhradmitnahme möglich oder diese sind ausleihbar) oder hoch zu Ross (ein Reitstall befindet sich in direkter Nachbarschaft zu den Ferienwohnungen der Familie Munsche) erkunden.

Kirche St. Bartholomäus in Dornheim

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3km östlich von Arnstadt und unweit der Ferienanlage Fam. Munsche liegt das idyllisch- gelegene Dorf Dornheim. Hier befindet sich die Kirche St. Bartholomäus, deren ältesten Bauteile (Turm und Westwand) sich in die erste Hälfte des 12Jh. zurückdatieren lassen. Zumindest wird die Erwähnung erster, weltlicher Vertreter um 1125 urkundlich bekräftigt, obwohl bereits ab dem 9Jh. die Architektur einer Holzkirche nachgewiesen werden kann. Der „umfriedete Bereich im südwestl. Siedlungskern von Dornheim“[3] beherbergt zentral eine steinerne Kirchenarchitektur. Dabei handelt es sich augenscheinlich um einen verhältnismäßig großen Saalbau (meist stützenloser Raum) in längsrechteckiger Form. Ein graziler Westturm erhebt sich nördlich versetzt aus der Mittelachse jenes Baukörpers. Während der im Westteil liegende Emporenaufgang die optische Ästhetik der südlichen Schiffswand beherrscht, überwiegt das vorgelagerte Glockenhaus im östlichen Teil derselben Schiffswand. Unterhalb der Empore ist das Hauptportal der Kirche zu vernehmen. Die optische Erweiterung des Innenraums ist von außen nicht ersichtlich und erstaunt zugleich, da sich zum einen Emporen an der Süd- und Nordwand befinden und zum anderen die Orgel auf der Westempore abgestellt wurde. In östlicher Ausrichtung befindet sich der Kanzelaltar mit formal barock gestalteter Schauwand des Hofkünstlers Christoph Meil von 1724.

Aus dem Südostviertel Arnstadts kommend, vorbei am Herkules und der Reitanlage Angelhausens, Richtung A4 sowie unweit von der Ferienwohnanlage in östliche Richtung und über den Feldweg bequem zu Fuss oder Fahrrad erreichbar, gelangt man zu dieser kunsthistorischen Sehenswürdigkeit innerhalb weniger Minuten. Sehenswert nicht nur wegen ihren archäologischen Hinterlassenschaften aus der Epoche des Mittelalters, sondern auch wegen ihrem Beinamen als der ‚Traukirche Johann Sebastian Bachs‘. Dieser heiratete am 17. Oktober 1707 seine Cousine 2. Grades, deren Name Maria Barbara Bach lautete. Eine lohnende Besichtigung ist auch der Epitaph des schwarzburgischen Rat‘s Christoph von Entzenbergk aus dem Jahre 1585 wert.

Sehenswertes in Ichterhausen

Die Gemeinde Ichtershausen, östlich von Arnstadt gelegen, erhielt in der ersten Hälfte des 12Jh. einen gestifteten, romanischen Kirchenbau. Die Stifter waren Frideruna von Gumbach sowie deren Sohn Marquard. Anno 1133 erfolgte die Weihung der Kirche im Kontext einer Reliquienschenkung zu Ehren des heiligen Georg und heiligen Maria, weshalb die Klosterkirche auch den Namen St. Georg und Marien trägt.

Kurze Zeit später, um 1147, begann der Umbau zu einem Zisterzienserinnennonnenkloster, dem einzigen seiner Art in der Region Thüringen, was durch den Stauferkönig Konrad III. und Erzbischof von Mainz urkundliche erwähnt wurde und zehn Jahre später durch Kaiser Friedrich I. seine Bestätigung fand. Die auffällig hohe Anzahl kaiserlicher wie königlicher „Bestätigungs- und Schutzurkunden aus dem 12. und 13. Jahrhundert“ heben den besonderen Charakter stauffischen Interesses an der Gemeinde Ichtershausen. Die dreischiffige Basilika mit den beiden durch einen Gang miteinander verbundenen Westtürmen sowie dem östlichen Chorabschluss mit drei Apsiden bildete das Zentrum der Anlage. Das fehlende Querhaus sowie der dreiapsidiale Chorabschluss markierten dabei die wesentlichsten Unterschiede zu den herkömmlichen Klosteranlagen des Ordens der Zisterzienser.  Die Auflösung des Klosters erfolgte unmittelbar nach der Reformation. Die Bauten wurden danach z.T.  als Amtsgebäude weiter verwaltet und dienten z.T. der Ortschaft Ichtershausen als Pfarrkirche. 1602 fielen große Teile der Klosterkirche und des Pfarrhauses einem Brand zum Opfer. Ab 1640 wurden die Klostergebäude als Amts- und Fürstensitz genutzt, weshalb die ehem. Klosterkirche den Rang einer Schlosskirche erhielt. Von 1675 – 1680 wurden die Gebäude durch einen Neubau ergänzt.  Die differenten Funktionalitäten der ehem. Anlage kulminierten 1877 in dem Anbau eines Gefängniskomplexes für jugendliche Straftäter an der Südseite der Kirche. Der Altarraum diente seither als Teil der Gefängnismauer – bis heute, wobei die Verlegung der Jugendstrafanstalt geplant ist.

Liebfrauenkirche zu Arnstadt

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Den kunsthistorischen Epochen folgend geht es von der Klosterkirche St. Marien zu Ichtershausen aus zurück in den westlich, gelegenen Teil des ehem. historischen Kerns von Arnstadt. Dort befindet sich die Liebfrauenkirche zu Arnstadt, welche neben dem Naumburger Dom zu den beachtlichsten Übergangsbauten von der Romanik zur Gotik in Thüringen gezählt werden kann. Die unterschiedlichen Bauphasen lassen sich architektonisch sehr gut voneinander abheben. Die erste Bauaktivität begann um 1200 und endete etwa um 1220. In dieser Phase wurde eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit einem Hallenchor erbaut. Weiterhin entstand im Westen eine Doppelturmfassade in hochromanischer – frühgotischer Manier. 30 Jahre (1250) später wurde die Flachabdeckung durch eine frühgotische Gewölbegliederung ersetzt, die auch heute noch sichtbar ist. Auch erhielten die Fenster und Arkaden ihre noch heute wahrnehmbare Form im Stil frühgotischer Baukunst. Bei diesen hoben sich eindeutige Strömungen der Maulbronner Bauhütte hervor. Mit der letzten Bauphase nach 1275 wurde anstelle des romanischen Chores ein Querschiff mit angebautem hochgotischen Hallenchor errichtet. In dieser dritten Bauphase wurden auch die Doppeltürme im Stil der Gotik vollendet. Abschließend wurde das Nonnenkloster St. Walpurgis (Walpurgisberg, 2km südlich von Arnstadt) der Benediktinerinnen an die Liebfrauenkirche verlegt. Der Umzug zog einige bauliche Konsequenzen nach sich – so den Anbau einer Nonnenempore und den Einsatz farbiger Glasfenster (zwei Apostelfiguren wie auch der Passionszyklus sind noch heute in den Seitenschiffen ersichtlich). Damit waren die Bauaktivitäten weitestgehend 1330 abgeschlossen. Die Errichtung einer Grabkapelle für das schwarzburger Grafengeschlechts wurde 1475 unternommen und 1489 erfolgte die Abdeckung der Glockenturmspitze mit Ziegeln. Der sakrale Bau verlor mit Einzug der Reformation rasch an Bedeutung, weshalb er immer weniger genutzt wurde. Die Folge war dessen vorerst endgültige Schließung. Ab 1880 begannen Restaurationsarbeiten an der Kirche unter Leitung Hubert Stiers. Dieser erneuerte die südliche Wand des Querschiffes, die Chorfenster samt Ziergiebeln, gestaltete die Westfassade neu und änderte den Glockenturm gänzlich ab – dabei erhielt er seine heute noch sichtbare „schwere Steinspitze“. Ein Abriss der Nonnenempore wurde 1883 vorgenommen, zugleich erfolgte die malerische Ausgestaltung der inneren Seitenschiffe durch historisierende Szenen. Der Architekt Martin Schwarz beaufsichtigte ab 1910 den Rückbau der Kirche zu ihrer ursprünglichen Form. Daraufhin wurden die Westtürme komplett abgetragen und erneut hochgemauert, Westgiebel samt Marienstatue wurden entfernt wie auch die Innenausmalung der Seitenschiffe. Das Dach erhielt seine originale Form eines Walmdachs wieder. Eine komplexe Rekonstruktion ergab sich erst in der zweiten Hälfte des 20Jh.

Oberkirche zu Arnstadt

Ein herausragendes Zeugnis mittelalterlicher – sakraler Baukunst markiert die Oberkirche zu Arnstadt.